Philips’ Vermächtnis in Eindhoven
- Caya Forman
- 8 min
- 26 mrt. 2026

Wie Eindhoven ohne Philips ausgesehen hätte, weiß kein Mensch. Was wir aber sicher wissen: Die Familie Philips hat der Stadt ihren Stempel ordentlich aufgedrückt. Und dem Rest der Welt gleich mit. Von den wichtigsten Philips-Erfindungen bis zu alten Fabrikgebäuden mit kreativem neuem Leben: Das ist Philips’ Vermächtnis!
Philips’ hellste Erfindungen
In den letzten 130 Jahren hat Philips so einige clevere Spielereien aus dem Hut gezaubert. Welche wichtigen Erfindungen gehen eigentlich auf ihr Konto? Hier bekommst du eine kleine Auswahl aus der Mottenkiste.
Birnchen 2.0.
1915 entwickelte Philips Glühlampen, die mit dem Edelgas Argon gefüllt waren. Davor war in den Lampen einfach nichts drin. Sie wurden vakuumiert. Durch das Argon hielt der Glühfaden länger und leuchtete heller. Noch nicht gerade super nachhaltig, aber immerhin schon ein Schritt in die richtige Richtung.
Sicherere Röntgenbilder
In den Zwanzigern war es alles andere als sicher, Röntgenbilder zu machen. Vor allem nicht für medizinisches Personal, das regelmäßig der gefährlichen Strahlung ausgesetzt war. Philips kam deshalb mit einer Metallhülle für die Röntgenröhre um die Ecke, die die Strahlung größtenteils abschirmte: die Metalix.

Stimmungsvolle Straßenbeleuchtung
Dieses gelb-orange Licht von Straßenlaternen? Jep, auch eine Erfindung von Philips. 1931 kamen sie mit der Philora: einer Natrium-Gasentladungslampe. Mit genau diesem typischen orangefarbenen Schimmer.
Glatt rasierter Schädel
Eine Erfindung, die bestimmt so einige Rasierwunden verhindert hat: der Philishave. 1939 entwickelten sie den ersten Rasierer mit rotierendem Kopf.
TV-Experimente
1948 sendet Philips die allererste Live-Fernsehausstrahlung der Niederlande. Zu empfangen auf einer Handvoll Fernseher in und um Eindhoven. Vor allem in den Wohnzimmern der Philips-Chefs. Und was lief bei „Philips Experimentele Televisie“? Sängerinnen und Sänger, Blumenstecken, Nachrichten, Kinderprogramme, Spielfilme, ein Fußballspiel von PSV und sogar ab und zu Werbung. Abwechselnd angekündigt von einem ehemaligen Radiosprecher, der damals in der Werbeabteilung von Philips arbeitete, und einer Philips-Sekretärin.
Die Kassette
Ein Philips-Ingenieur und sein Team entwickelten die Kassette. 1963 erschien der erste Prototyp. Mit diesem kleinen Band konnte plötzlich jede und jeder eine eigene Musiksammlung zusammenstellen, Radioprogramme machen oder eine Nachricht aufnehmen und verbreiten.
Verbesserte Chips
Auch in der wunderbaren Welt der Computerchips spielte Philips eine wichtige Rolle. In den Sechzigern entwickelten sie eine bahnbrechende Technik, LOCOS: Localized Oxidation of Silicon, die die Chipproduktion deutlich effizienter machte.
Videorekorder fürs Wohnzimmer
1971 brachte Philips den ersten Video Cassete Recorder, kurz VCR, für den Heimgebrauch auf den Markt.
Der Durchbruch der Energiesparlampe
Ganz am Anfang der Achtziger startete Philips mit der Massenproduktion nachhaltiger Beleuchtung: der Energiesparlampe. Später, 2009, entwickelte Philips zusammen mit Partnern eine noch viel sparsamere Art von Licht: die LED-Lampe Luramic.
Die gute alte CD
Die Compact Disc war das Liebeskind von Philips und dem japanischen Elektronikkonzern Sony. Diese 1,2 Millimeter dünne Scheibe wurde 1982 eingeführt. Die CD sorgte dafür, dass wir Musik plötzlich digital speichern und hören konnten. Eine kleine Revolution für die Musikindustrie.
3D-Skelette
Philips entdeckte 1998, dass sich 3D-Röntgenbilder mit einem C-förmigen Arm machen lassen, der sich um den Patienten dreht. Ab da konntest du dir deinen gebrochenen Arm endlich mal richtig anschauen. Ein schwacher Trost, klar, aber trotzdem.

Eindhovens Innovationsmentalität
Heute gehören Glühlampen und Kassetten ins Museum. Die Glanzzeiten von Philips in der Lichtstad liegen weit hinter uns und setzen längst Staub an in der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. 1997 zog sogar der Hauptsitz von Philips nach Amsterdam um.
Trotzdem ist Eindhoven noch immer das glühende Zentrum für Innovation und Technik. In den Niederlanden und weit darüber hinaus. Denk nur an die TU/e, die jedes Jahr wieder jede Menge internationale Talente anzieht. Oder an ASML, okay, technisch gesehen in Veldhoven, globaler Spitzenplayer in der Halbleiterindustrie. Haben wir das also ganz ohne Philips geschafft? Na ja … nicht ganz.
Bedarf an klugen Köpfen
All die schlauen Köpfe an der TU/e haben wir am Ende Philips zu verdanken. Das Unternehmen brauchte Mitte der Fünfziger nämlich mehr hochqualifizierte Mitarbeitende. Für all die neuen Erfindungen natürlich. Die Universität wurde zu großen Teilen gegründet, um genau diesen Bedarf zu decken. Bei ihrer Gründung 1965 hieß sie noch Technische Hogeschool.
Philips-Spin-off
Nicht viele wissen, dass ASML eigentlich so etwas wie ein Philips-Spin-off ist. Der Hersteller von Chipmaschinen entstand in den Achtzigern als Zusammenarbeit zwischen Philips und ASM International. Gemeinsam wollten sie eine Philips-Chipmaschine auf den Markt bringen. Heute ist ASML eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Niederlande – mit Milliardenumsatz.
Hightech-Hotspot
Auch die High Tech Campus gäbe es ohne Philips nicht. Der Tech-Hub mit inzwischen 260 Unternehmen begann einmal als R&D-Standort von Philips. Heute ist das Gelände an der A2 in Eindhoven der Hotspot für Hightech-Innovation schlechthin. Mit der Mission, die nachhaltigste Campus Europas zu werden.

Die erste Glühlampenfabrik, das Philips Museum und De Witte Dame
Angefangen hat alles am Emmasingel, mitten im Zentrum der Stadt. Dort öffnete Philips’ erste Glühlampenfabrik ihre Türen. Durch diese kleine Fabrik bekam Eindhoven sogar seinen Spitznamen: Eindhoven Lichtstad!
Früher war die bescheidene Glühlampenfabrik das höchste Gebäude in Eindhoven. Der Schornstein ragte über die ganze Stadt hinaus. Genau in diesem Schornstein steckt heute ein dauerhaftes Lichtkunstwerk. Private Light von der Künstlerin Titia Ex sieht aus wie eine leuchtende Kappe hoch oben auf dem Schornstein. Ein kleines Lichtsignal, das ganz subtil auf den Anfang des Philips-Abenteuers aufmerksam macht.
Die Ikone der Stadt
Später, als immer mehr Glühlampen produziert werden mussten, zog die Fabrik auf die andere Straßenseite um. Philips ließ die ikonische Witte Dame als neues Fabrikgebäude bauen. Heute ist De Witte Dame ein multifunktionales Gebäude für Design, Kunst, Wissen und Technologie. Und eines der ikonischsten und bekanntesten Bauwerke Eindhovens. De Witte Dame steht sinnbildlich für die Veränderungen, die Eindhoven im Lauf der Jahre durchgemacht hat.
Das Philips Museum
Seit 2001 ist die alte kleine Glühlampenfabrik gegenüber der Witte Dame ein Rijksmonument, also ein nationales Denkmal. Und der Standort von dem Philips Museum. Im Museum kannst du die Geschichte des Unternehmens selbst erleben. Mit eigenen Augen siehst du, welche Rolle Philips bei wichtigen gesellschaftlichen Veränderungen gespielt hat. Erst mit elektrischem Licht, später bei Radio und Fernsehen und schließlich im digitalen Zeitalter.
2011 wurde das Philips Museum umfassend umgebaut. Dabei bekam das historische Gebäude vorne eine neue Glasfassade. Drinnen kannst du dir noch immer die originale Anordnung alter Geräte zur Herstellung der Glühlampen anschauen.
Grün, grüner, Eindhoven
Eindhoven ist eine der grünsten Städte der Niederlande. Warum? Weil Philips gesunde, glückliche Mitarbeitende wollte. Frits Philips glaubte nämlich an die heilsame Wirkung von Pflanzen und Bäumen. Er wollte, dass die Fabrikgelände so gestaltet werden, dass seine Leute auf dem Weg zur Arbeit und zurück nach Hause eine ordentliche Portion Grün abbekommen.
Und Frits selbst spielte dabei übrigens eine aktive Rolle: Auf seinen vielen Reisen sammelte er Bäume und ließ sie nach Eindhoven verschiffen. So sorgte er nicht nur für eine schöne Aussicht für seine Mitarbeitenden, sondern auch für mehr Biodiversität in der Stadt.
Philips steckt sogar in den Namen einiger Parks. Nicht ohne Grund. Die Parks gehörten nämlich früher der Familie Philips, bevor sie sie der Stadt schenkte.
So wurde der Philips van Lenneppark 1964 vom Ehepaar Philips – Van Lennep an die Gemeinde Eindhoven übergeben. Der Park liegt in der Gabelung der Schnellstraße nach Tilburg und der Poot van Metz.
1920 schenkten Anton Philips und seine Frau Anna Philips de Jongh der Gemeinde einen Park. Du findest den Philips de Jongh Wandelpark im Stadtteil Strijp, in der Nähe von Landgoed De Wielewaal. Dem Ort, an dem die Familie Philips selbst wohnte.
Auch dieses Landgut gehört bald zum öffentlichen Grün. Die Gemeinde will Landgoed de Wielewaal, wo Frits Philips von 1934 bis zu seinem Tod 2005 wohnte, langfristig für alle Menschen in Eindhoven öffnen. Das Landgut ist 142 Hektar groß. Das entspricht 200 Fußballfeldern. Also jede Menge zusätzliches öffentliches Grün.
Vom Kicken mit Kolleginnen und Kollegen zu Memphis Depay
PSV kennen wir alle. Der Fußballclub ist bis in die letzten Ecken der Welt bekannt. Weniger bekannt ist, dass PSV für Philips Sport Vereniging steht. Der Sportverein wurde 1913 extra für Philips-Mitarbeitende gegründet. Erst nach 1928 durften auch Leute von außerhalb des Unternehmens dort Sport machen.
Was einmal als Sportverein begann, ist zu einem der erfolgreichsten Fußballclubs der Niederlande geworden. Bei PSV spielten im Lauf der Jahre internationale Topspieler wie Cocu, Van Nistelrooy, Robben, Wijnaldum und Memphis Depay. Alles dank dieser ersten Vorlage von Philips.

Alte Fabriken mit neuem Leben
Das Schöne an Eindhoven ist, dass die Stadt ihre Vergangenheit in Ehren hält. Die alten Fabrikgebäude von Philips wurden nicht einfach plattgemacht. Sie stehen noch immer. Und haben alle eine coole neue Bestimmung bekommen.
Strijp-S
Früher ein verlassenes Fabrikgelände, heute eines der lebendigsten Viertel. Strijp-S wurde als Industriegebiet entwickelt. Extra für die Fabriken des Unternehmens. Aber in den letzten Jahren hat Strijp-S eine echte Verwandlung hingelegt. Nach dem Weggang von Philips wurde daraus ein hipper, lebendiger Stadtteil. Voller einzigartiger Läden, Gastronomie, Büros und jeder Menge Kreativer. Aber mit dem industriellen Charakter von damals.
Anton und Gerard
Anton und Gerard, die großen weißen Gebäude, die Strijp-S prägen, waren früher Fabrikhallen, in denen allerlei Philips-Produkte hergestellt wurden. Heute wurden sie in Wohngebäude mit schicken Lofts verwandelt.
Das Klokgebouw
Am Klokgebouw merkst du sofort, dass du in der Nähe von Strijp-S bist. Seinen Namen verdankt das hohe Gebäude der Uhr oben im Turm. Auch dort hat Philips seinen Stempel hinterlassen: Mit den Buchstaben PHILIPSPILIHP geht’s einmal rund um den Tag. Das Gebäude wurde Ende der Zwanziger gebaut, und hier stellte man Philite her, den Philips-Markennamen für Bakelit.
Wenn du heute das Klokgebouw betrittst, findest du dort die Arbeitsräume von mehr als 100 Unternehmern aus der Kreativbranche. Aber du hörst dort auch Musik! Das Klokgebouw ist nämlich eine gefragte Eventlocation und beherbergt die Popbühne und den Proberaum PopEI. Auf der rechten Seite des Gebäudes sitzt außerdem noch das Blue Collar Hotel. Dieses eigenwillige Hotel hat noch viele charakteristische Elemente aus der Philips-Zeit. Plus eine Prise Rock ’n Roll.
De Machinekamer
Früher war De Machinekamer Teil des Elektrizitätswerks vom Klokgebouw. Das Gebäude hielt Strijp-S am Laufen. Heute findest du in der obersten Etage restaurant Radio Royaal. 1.300 Quadratmeter rohes Industriedesign mit einer französisch-deutschen Küche. Außerdem ist De Machinekamer das Zuhause von Pastry Club und Room108 & Gusj Market.
Natlab
Natlab steht für natuurkundig laboratorium. Das ist der Ort, an dem Philips-Wissenschaftler jahrelang die unterschiedlichsten Erfindungen gemacht haben. Wusstest du, dass Albert Einstein dort einmal einen Vortrag gehalten hat?
Heute hat das Gebäude nur noch wenig mit Physik zu tun, dafür umso mehr mit Kultur und Film. Bei Natlab bist du genau richtig für die besseren Filme, Theater und Talkshows. Gut essen und was trinken kannst du dort auch.
Noch mehr Architektur und coole Gebäude
Wenn es um Architektur geht, hat das Unternehmen weit mehr hinterlassen als nur ein paar alte Fabrikhallen. Lies hier, welche coolen Gebäude noch Teil der Philips-Geschichte waren.
Philipsdorp & Drents Dorp
Drents? Aber in diesem Artikel geht’s doch um Eindhoven? Stimmt. Philips holte jede Menge Personal aus der Provinz Drenthe. Um all diese Leute aus Drenthe in Eindhoven unterzubringen, baute Philips in den Zwanzigern ein eigenes Viertel für sie. Daher der Name Drents Dorp. Die typischen Arbeiterhäuser von damals stehen noch immer.
Schon zehn Jahre früher wurde Philipsdorp im Stadtteil Strijp gebaut. Auch mit dem Ziel, den Mitarbeitenden der schnell wachsenden Fabrik einen eigenen Platz zu geben.
Evoluon
Manche waren als Kind dort. Als das Evoluon noch ein lehrreiches Technologiemuseum war. Seit 1996 ist dieses ikonische Ufo aber ein Kongresszentrum und eine Eventlocation. Das herrlich schräge Gebäude wurde 1966 von Philips der Stadt geschenkt, als das Unternehmen 75 Jahre alt wurde. Gute Nachrichten für alle, die sich nach der guten alten Zeit zurücksehnen: Mit Next Nature kannst du hier zurück in die Zukunft von damals.
Philips Stadion
Angefangen hat alles mit einem kleinen Rasenstück zwischen der Stadt und den Fabriken von Strijp-S. Genau dort baute Philips einen Sportpark für die Bewohner von Philipsdorp. Heute ist das Philips Stadion (oder PSV-Stadion) die Heimat von PSV. Ein Fußballstadion mit Platz für mehr als 35.000 Besucher.
Die Philips Sterrenwacht
1935 wurde der Eindhovense Weer- en Sterrenkundige Kring gegründet. Am Anfang kamen vor allem Philips-Mitarbeitende mit einer Liebe für Wetter und Astronomie. Als der Verein eine eigene Sternwarte wollte, wurde sie im Stadswandelpark gebaut. 1938 legten sie den Grundstein für das Observatorium – nach einem Entwurf des Philips-Architekten Louis Kalff.
Villa de Laak
Eines der markantesten Gebäude im Stadtteil Tongelre ist Huize (oder Villa) de Laak. Die Villa wurde 1907 im Auftrag von Anton Philips gebaut, der dort zusammen mit seiner Frau Henriëtte wohnte. Das Haus ist leider nicht frei zugänglich. Aber von der Parklaan aus kannst du die Villa trotzdem gut anschauen.
Strijp T + R
Nach Strijp-S baute Philips auch die Industriegebiete Strijp-T und Strijp-R. Eigentlich sollten noch Strijp-IJ und Strijp-P dazukommen, aber dazu kam es nie.
Strijp-T
Früher das Kraftwerk, das den Energiebedarf von Philips deckte, heute ist Strijp-T ein Nährboden für Design und Innovation. Es ist zu einem Gewerbepark für die unterschiedlichsten innovativen Unternehmen aus Eindhoven geworden.
Strijp-R und Piet Hein Eek
Nur einen Steinwurf von Strijp-T entfernt liegt Strijp-R. Das Gebiet wird vom Zoompark eingerahmt – ein Erbe von Frits Philips, der fand, dass Philips-Mitarbeitende heilsames Grün um sich herum haben sollten. Auf Strijp-R findest du unter anderem das RK-complex, die ehemalige keramische Werkstatt von Philips. Vor Jahren wurden hier Radios und Fernseher hergestellt. Es ist eines der wenigen Gebäude, die in diesem Gebiet nach dem Weggang von Philips stehen geblieben sind.
Strijp-R ist heute die Heimat des Designers Piet Hein Eek. Dort findest du die Werkstatt und den Showroom dieses weltberühmten Designers. Du willst gern ein Stück Piet mit nach Hause nehmen? Lucky you. Es gibt auch einen Piet Hein Eek-Shop. Und als Kirsche auf der Torte kannst du auch noch in Piet Hein Eeks Restaurant essen oder eine Nacht in seinem Designhotel bleiben! Außerdem findest du auf Strijp-R verschiedene andere kreative Unternehmen und Designstudios.
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