Spazierroute: Architektur
- 6 min
- 02 jun. 2022

In Eindhoven gibt es architektonisch jede Menge Überraschendes zu entdecken. Lust auf einen kleinen Spaziergang? Dieser digitale Stadtguide nimmt dich mit zu allerlei architektonischen Highlights!
Starte deinen Spaziergang am Stationsplein.
Dieser Platz wird in Zukunft in District E verwandelt und bekommt damit ein ganz neues Gesicht.
Schau dich mal um, hier gibt es einiges zu sehen. Wenn du die Statue von Anton Philips entdeckt hast, blickst du auf den Stationsplein. Auf der anderen Seite siehst du The Student Hotel. Das ist Hotel und Short-Stay-Unterkunft in einem. Ganz links siehst du den Hauptbahnhof von Eindhoven, der 1956 nach einem Entwurf von Koen van der Gaast gebaut wurde. Die Geschichte geht so, dass das Design auf einem Philips-Radio aus der Zeit basiert. Nur wurde genau das Modell, dem es ähneln soll, erst sieben Jahre nach dem Entwurf des Bahnhofs entwickelt. Vor Kurzem wurde der Bahnhof innen komplett erneuert. In fünf Jahren entstanden unter anderem ein neuer Bahnhofstunnel und eine renovierte Bahnhofshalle.
Geh durch den Bahnhof und verlasse ihn hinten rechts. Du kommst jetzt auf das Kennedyplein mit dem Kennedytoren. Der Turm wurde 2003 fertiggestellt und ist 83 Meter hoch. Die Architekten sind Van Aken Architectuur. Geh geradeaus und biege nach dem Eingang zur Parkgarage auf der linken Seite links um die Ecke. Vor dir siehst du The Flying Pins, entworfen von Claes Oldenburg, und links davon das heutige und frühere Büro der Rabobank. Das alte Gebäude wurde bewusst nicht abgerissen, sondern demontiert. Im Neubau wurden 95 Prozent der freigewordenen Materialien wiederverwendet. Das alte Gebäude erkennst du heute als Büro der Belastingdienst wieder.

Überquere die Straße und geh Richtung TU/e.
Der Universitätscampus wurde in den letzten Jahren ordentlich umgekrempelt, und an manchen Stellen wird noch immer fleißig an der Transformation gearbeitet. Du gehst bei der Kennispoort über das Limbopad auf das Universitätsgelände. Fun Fact: Der Weg verdankt seinen Namen den vielen Studierenden aus Limburg, die hier früher auf ihren täglichen Wegen vom und zum Bahnhof einen Trampelpfad ins Gras gelaufen haben. Nach der Brücke über die Dommel siehst du direkt vor dir Vertigo, die Fakultät für Architektur. Das Gebäude stammt vom Architekturbüro Diederendirrix: „Beim Umbau des ehemaligen Chemielabors zum neuen Zuhause der Fakultät für Architektur wurde das Betonskelett freigelegt und anschließend wieder mit einer Vorhangfassade umhüllt, die genau zwischen Massivität und Transparenz balanciert. Die glatte Glashülle ist eine Lowtech-Energiefassade und deshalb zu siebzig Prozent geschlossen. Auf die Außenseite des Glases wurde ein emaillierter Druck der Gerüste von Gaudís Sagrada Familia aufgebracht – das Symbol des ewig unvollendeten Projekts der Architektur.“
Wenn du den Tunnel verlässt , gehst du geradeaus und überquerst die Stationsweg. Halte dich links und geh Richtung Kreuzung Parklaan, Nachtegaallaan. Jetzt stehst du vor Villa de Laak mit ihrem Wassergraben. Die Villa wurde 1907 im Auftrag von Anton Philips von Johan Wilhelm Hanrath gebaut. Auf dem Gelände daneben stehen auch ein Kutschenhaus, eine Orangerie, ein Kutscherhaus, ein Gärtnerhaus, ein Chauffeurshaus und ein Garten von Leonard Springer. Unter anderem Anton Philips und Henriëtte Anna Philips haben hier gewohnt. Die Villa diente außerdem einmal als Unterkunft für hochrangige Gäste von Philips und für wichtige ausländische Besucher in Eindhoven.
Dann gehst du wieder zurück in die Richtung, aus der du gekommen bist, und weiter zum Poptempel de Effenaar, der seit 2005 in dem Gebäude sitzt, wie du es heute siehst. Das ist ein Entwurf des Büros MVRDV. Die alte Fassade neben de Effenaar stammt von der früheren Leinenfabrik, in der de Effenaar zuerst untergebracht war. Geh durch die Dommelstraat Richtung Zentrum. An der Ampel beim ING-Büro überquerst du die Straße und gehst geradeaus in die Nieuwstraat. Am Ende der Straße biegst du links ab und läufst an der Markt entlang. Auf der linken Seite siehst du das Muziekgebouw. Es wurde von Van Eijk & Van der Lubbe entworfen. Die beiden haben nicht nur die bauliche Renovierung angepackt, sondern alles, was dir als Gast begegnet: die Fassade, die Möbel, das Geschirr, die Wegeführung, den Lichtplan und die Gestaltung. Die Möbel sind – genau wie Musikinstrumente – aus Holz, Kupfer und Gold gemacht.

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Verlass das Muziekgebouw.
Geh weiter über die Jan van Lieshoutstraat. Auf Nummer 26 findest du die älteste Fassade von Eindhoven – heute steckt dahinter ein Café. Du kommst auf den Catharinaplein. Hier gehst du in die Smalle Haven, die Straße zwischen Dynamo und Happy Italy. Im zweiten Teil dieser Straße findest du gestapelte Terrassenwohnungen. Durch Patios, Terrassen, Wintergärten und Balkone haben alle Wohnungen einen Außenbereich. Jo Coenen, der den städtebaulichen Plan für das Gebiet gezeichnet hat, entwarf auch den benachbarten Vestedatoren. Durch die spitz zulaufenden, abgerundeten Enden wirkt der Turm, der ohnehin nicht breit ist – an der breitesten Stelle vierzehn Meter – noch schlanker. Die ersten vier Etagen enthalten Büroräume, in den 24 Stockwerken darüber liegen jeweils zwei Apartments mit 130 Quadratmetern auf beiden Seiten des zentralen Kerns. Ganz oben befinden sich zwei luxuriöse Maisonette-Penthouses.
Du verlässt die Smalle Haven , indem du am Ende der Straße rechts abbiegst. Du kommst auf einen kleinen Platz am Stratumseind. Geh weiter bis zum Ende vom Stratumseind und überquere die kleine Brücke. Auf der rechten Seite siehst du das Van Abbemuseum. Der Eingang auf der Rückseite fällt sofort durch ein freches rosa Häuschen auf – ein Entwurf des Künstlers John Körmeling. Links siehst du die Bleekweg und ein Stück weiter die Schellensfabriek. In dieser ehemaligen Textilfabrik sitzen heute unter anderem eine Brauerei und Werkstätten für Designer.
Geh zurück zum kleinen Platz am Stratumseind und biege links Richtung Stadhuisplein ab. In dieser Straße kommst du links am ehemaligen Gerichtsgebäude vorbei, das früher das Designhuis war. Auf dem Stadhuisplein biegst du rechts ab und gehst Richtung Catharinakerk. In der Geschichte wird die Catharinakerk zum ersten Mal 1240 erwähnt. Leider hatte die Kirche es in den Jahrhunderten danach nicht immer leicht. 1486 wurde sie von den Geldersen in Brand gesteckt, und 1554 traf sie ein Stadtbrand. 1566 kam es zu einem Bildersturm, bei dem die Marienstatue zerstört wurde. Im 19. Jahrhundert galt die Kirche als zu klein, und die alte Kirche wurde ohne jeden Respekt vor der Vergangenheit abgerissen. Danach begann der Bau der heutigen neugotischen Kirche nach einem Entwurf von Pierre Cuypers. Die Kirche wurde 1867 geweiht. 1942 und 1944 wurde sie durch Bombardierungen schwer beschädigt. Nach dem Krieg folgte eine Restaurierung durch den Architekten C.H. de Bever. Die alten Fenster, die verloren gegangen waren, wurden durch Glasfenster unter anderem von Charles Eyck und Pieter Wiegersma ersetzt. Seit 1972 ist die Kirche ein Rijksmonument (niederländisches Nationaldenkmal).

Über die Einkaufsstraße Rechtestraat gehst du Richtung Philips Museum.
Schau in der Einkaufsstraße ab und zu mal nach oben, denn hier entdeckst du immer wieder überraschend alte Fassaden. An der Kreuzung mit der Vrijstraat biegst du links ab und gehst weiter, bis du rechts in die Nieuwe Emmasingel kannst. Dort findest du in der Kurve auf halber Strecke das Philips Museum, genau an der Stelle, an der die erste Glühlampenfabrik von Philips stand.
Von der Nieuwe Emmasingel aus gehst du zwischen dem Museum und dem Wohnturm De Admirant hindurch und siehst auf der anderen Straßenseite die Witte Dame. Dieses renovierte Fabrikgebäude von Philips wurde 1928–1931 nach einem Entwurf von Dirk Roosenburg im Stil der Neuen Sachlichkeit gebaut. Philips nutzte das Gebäude von Anfang an als Produktionsstätte für Glühlampen. Es war Teil eines größeren Philips-Komplexes mit der ersten Glühlampenfabrik und dem Lichttoren an der Emmasingel, Mathildelaan und Willemstraat. Nach dem Auszug von Philips wurde das Gebäude vom Architekten Bert Dirrix renoviert. Die Witte Dame wurde am 27. Mai 1998 wiedereröffnet. Heute findest du hier unter anderem die Design Academy und die Eindhovense Bibliotheek.
Geh unter dem Gebäude durch zum Lichtplein. An diesem Platz findest du das ehemalige Lichttestzentrum von Philips, das LAC. Heute sitzen hier verschiedene Büros, aber in Zukunft soll das Gebäude abgerissen werden, um Platz für einen Park und Wohnungen zu machen. Wenn du um das LAC herumgehst, kommst du zum Victoriapark. Das ehemalige Philips-Lighting-Gebäude wurde in Wohnungen umgewandelt, mit Gastronomie und Geschäften im Erdgeschoss. Geh dann rechts zwischen den Gebäuden durch, und du kommst auf die Mathildelaan. Bieg rechts ab und überquere die Straße bei dem Lichttoren und der kugelförmigen Blob, was für Binary Large Object steht. In der Architektur bezeichnet blob ein ziemlich schräges Gebäude, das alle möglichen verspielten Formen annehmen kann. Die Eindhovense Blob und der benachbarte unterirdische Fahrradkeller mit den markanten oberirdischen ‚Tröten‘ wurden vom Italiener Massimiliano Fuksas entworfen.
Wenn du weiter auf das 18 Septemberplein gehst, siehst du auf der linken Seite das Warenhaus De Bijenkorf mit seiner markanten grünen Fassade. Das Gebäude ist ein Entwurf von Gio Ponti. Die Fassaden wurden zwei zusätzliche Etagen nach oben weitergezogen, damit sich das architektonische Bild bei einer möglichen Erweiterung nicht verändert. Die wechselnden Muster der glasierten grünen Fliesen, die unregelmäßige Anordnung der schmalen vertikalen Fenster, die Beleuchtung und das Wabenmuster sorgen für eine lebendige Fassade. Von hier aus ist es nur noch ein kleines Stück bis zum Bahnhof – und damit hast du eine Runde durch Eindhoven gedreht!

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