Einsteigerguide: die niederländische Arbeitskultur
- 10 min
- 31 mrt. 2026

Egal, ob du gerade erst mit der Schule fertig bist und deinen ersten Job suchst oder als Neuling für die Arbeit nach Eindhoven ziehst – oder für die Liebe: Das hier ist dein Guide. Wir erzählen dir alles übers Arbeiten in den Niederlanden. Von praktischen Tipps bis zu Vorurteilen, die vielleicht einfach wirklich stimmen.
Erst mal eine kleine Beruhigung: Niederländer halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. Und wenn du sie manchmal über ihren Job meckern hörst, würdest du kaum glauben, dass die Niederlande weltweit auf Platz vier der Länder mit den zufriedensten Beschäftigten stehen. Nur in Finnland, Island und Dänemark sind die Leute noch zufriedener. So schlecht haben wir es hier also wirklich nicht!
Und noch ein kleiner Disclaimer: In diesem Artikel beschreiben wir Dinge, die oft vorkommen – Ausnahmen gibt es natürlich immer. In manchen Branchen ist die Kultur deutlich formeller als in anderen. Schau also immer selbst genau hin, worauf du dich einlässt!
Du suchst offizielle Infos? Dann schau mal auf der Website der Rijksoverheid.
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Bewerben
Ohne Job keine Arbeitskultur, also fangen wir ganz vorne an. Beim Bewerben. Im Großen und Ganzen läuft der Bewerbungsprozess bei niederländischen Unternehmen ziemlich entspannt ab.
Liebe für LinkedIn
Oder eher: Hassliebe. Auch in den Niederlanden ist LinkedIn die Plattform für professionelle Selbstvermarktung schlechthin. Wenn du dich irgendwo bewirbst, kannst du ziemlich sicher sein, dass dein LinkedIn-Profil gründlich gecheckt wird. Sorge also dafür, dass deine Berufserfahrung aktuell und aussagekräftig ist, und frag ehemalige oder aktuelle Kolleginnen und Kollegen nach einer netten Empfehlung. Viele Unternehmen wickeln den ganzen Bewerbungsprozess über LinkedIn ab. Dann musst du keinen Lebenslauf schicken, nur ein Motivationsschreiben. Dein Profil erledigt den Rest.
Dein Anschreiben
Halte es kurz, frisch und auf den Punkt. Vermeide angestaubte Formulierungen und endlose passive Sätze. Wiederhol nicht einfach, was sowieso schon in deinem Lebenslauf steht, sondern erzähl, warum du gut zur Stelle passt. Viele Unternehmen bekommen Dutzende Bewerbungen auf eine einzige Ausschreibung. Ein kurzes, frisches Anschreiben sticht da sofort raus. Und hab keine Angst, auch mal etwas Persönliches zu erzählen, das nichts mit der Arbeit zu tun hat. Besondere Hobbys, schräge Leidenschaften oder wilde Zukunftsträume – alles erlaubt … aber überleg kurz, ob die lesende Person daraus vielleicht irgendwelche Vorurteile bastelt.
Ein Anschreiben oder Lebenslauf voller Eigenlob ist keine gute Idee. Niederländer reagieren im Allgemeinen ziemlich allergisch auf Leute, die sich selbst in den Himmel loben. Auch scheinbar bescheidenes Angeben wie „Ich fühle mich so geehrt, dass ich zu diesem preisgekrönten Projekt beitragen durfte“ lässt du besser weg.
Nach der Bewerbung anrufen? Früher wurde das noch empfohlen. Heute finden viele das eher aufdringlich – vor allem, wenn du keine wirklich dringende Frage hast. Sinnvoll ist es aber, kurz nachzuhaken, wenn du nach ein paar Arbeitstagen noch keine Eingangsbestätigung bekommen hast. Und wenn du nach zwei Wochen immer noch nicht weißt, ob du eingeladen wirst oder eine Absage bekommst, darfst du ruhig noch mal nachhaken.
Das Bewerbungsgespräch
Läuft deine Bewerbung über eine Recruiting-Agentur? Dann gibt es oft erst mal ein kurzes telefonisches Kennenlernen mit der Recruiterin oder dem Recruiter. In den Niederlanden ist es ganz normal, dass das erste echte Bewerbungsgespräch mit deinen künftigen Kolleginnen und Kollegen stattfindet – außer du bewirbst dich auf eine Managementrolle. In größeren Unternehmen sitzt oft noch jemand aus der Personalabteilung dabei. Finden sie dich sympathisch und kompetent? Dann folgt ein Gespräch mit deiner zukünftigen Führungskraft. Zwei bis drei Gespräche sind für die meisten Jobs ziemlich normal. Manchmal musst du auch einen Kompetenztest machen oder eine Probeaufgabe bearbeiten. Über Arbeitsbedingungen wird oft per Mail oder telefonisch verhandelt. Bekommst du live ein Angebot? Dann musst du nicht sofort reagieren. Nimm dir ruhig Zeit, darüber nachzudenken und andere um Rat zu fragen.
Dein Outfit fürs Bewerbungsgespräch
Zu entscheiden, was du zu einem Bewerbungsgespräch anziehst, kann ganz schön stressig sein. In den meisten Unternehmen sind die Kleidervorschriften eher locker – auch bei Behörden oder großen multinationalen Konzernen. Branchen, in denen du wahrscheinlich doch im Anzug oder Kostüm erwartet wirst, sind der Finanzsektor, die Rechtsbranche, Consulting und die Büroseite der Immobilienbranche. Pro-Tipp: Späh mal auf der Unternehmenswebsite in den Bereich „Über uns“ und schau, was die Leute dort tragen. Wenn du dir unsicher bist, ist Business Casual fürs erste Kennenlernen die sicherste Wahl. Nur bitte nicht zu formell – sonst fällst du schnell aus dem Rahmen.
Persönliche Fragen
Niederländischen Unternehmen ist der persönliche Klick oft ziemlich wichtig. Sie wollen gern wissen, ob du zum Unternehmen und ins Team passt. Die Chancen stehen also gut, dass dir im Bewerbungsgespräch persönliche Fragen gestellt werden. Zum Beispiel zu deinen Hobbys, deiner Wohnsituation oder sogar dazu, welche Serie du gerade schaust. Auch in den Niederlanden ist es verboten, nach Dingen wie Kinderwunsch oder Religion zu fragen, aber wundere dich nicht, wenn Leute Interesse zeigen, sobald du selbst von deinen Kindern erzählst. Antworte nur, wenn du dich damit wohlfühlst – du bist zu nichts verpflichtet, was nichts mit der Stelle zu tun hat. In der Praxis hilft es aber oft, wenn du ein paar passende persönliche Anekdoten teilst.

Arbeitsweg und Arbeitszeiten
Pendeln
Niederländer lieben das Fahrrad. Windstärke zehn oder Wolkenbruch? Kein Problem. Regenzeug an und los! Das liegt auch daran, dass wir im Schnitt ziemlich nah an unserer Arbeit wohnen. Durchschnittlich legen wir pro Tag etwa acht Kilometer bis zum Arbeitsort zurück. Und alles unter diesem Schnitt ist für die meisten Niederländer prima mit dem Rad machbar – vor allem mit einem E-Bike. Fast ein Drittel der Niederländer fährt deshalb regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit. Du denkst jetzt: „Ich will später in Eindhoven auch mit dem Rad zur Arbeit fahren!“? Dann haben wir zufällig einen ziemlich ausführlichen Guide zur niederländischen Fahrradkultur für dich parat!
Gut zu wissen: In den Niederlanden ist es üblich, dass du eine Fahrtkostenerstattung pro Kilometer bekommst. Im Schnitt etwa 20 bis 23 Cent pro Kilometer. Musst du jeden Tag mit dem Zug fahren? Dann kannst du auch über ein Bahnabonnement verhandeln.
Flexibles Arbeiten und Arbeitszeiten
Seit der Coronapandemie ist Homeoffice für Büroangestellte völlig normal. Viele arbeiten inzwischen wieder größtenteils im Büro, aber ein oder zwei Tage pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten, ist oft überhaupt kein Problem. Homeoffice ist kein Recht, aber Arbeitgeber müssen laut dem Gesetz über flexibles Arbeiten schon einen wirklich guten Grund haben, um es abzulehnen. Tipp: Sorge dafür, dass Homeoffice-Absprachen in deinem Vertrag festgehalten werden, sonst kann ein Arbeitgeber sie einseitig wieder kippen.
Auch die Arbeitszeiten sind oft ziemlich flexibel, vor allem für Büroangestellte. Die meisten fangen irgendwo zwischen 8:00 Uhr und 9:30 Uhr an und beenden ihren Arbeitstag zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr. Manche Arbeitgeber sind etwas strenger, aber die Chancen stehen gut, dass du in einem recht großzügigen Zeitfenster auftauchen darfst, solange du deine Arbeit erledigst. Nur fürs Dasein da zu sein, ist in den Niederlanden nicht besonders üblich.

Am Arbeitsplatz
„Arbeitsplatz“ ist ein ziemlich weiter Begriff. Für manche ist das ein Bürogebäude. Für andere ein Laden oder eine Baustelle. Wir können in diesem Guide nicht alles bis ins kleinste Detail beschreiben, deshalb konzentrieren wir uns vor allem auf Dinge, die dir fast überall begegnen können, und schauen uns daneben die Bürokultur noch etwas genauer an.
Flaches Land, flache Hierarchien
Viele Leute, die aus dem Ausland in die Niederlande zum Arbeiten kommen, sind überrascht von den flachen Hierarchien, die hier ganz normal sind. Kolleginnen und Kollegen sprichst du einfach mit dem Vornamen an – auch die Geschäftsführung. Und genau diese Geschäftsführung und andere Führungskräfte arbeiten oft eng mit Leuten aus allen Ebenen der Organisation zusammen. Vor allem in kleineren Unternehmen.
Nicht umsonst gelten Niederländer als Erfinder des *Poldermodel* (gemeinsam mit allen Beteiligten nach einer Lösung suchen): miteinander reden, bis man zusammen zu einer Entscheidung oder Lösung kommt. Das siehst du auch am Arbeitsplatz. Mitarbeitende werden aktiv dazu eingeladen, ihre Meinung zu sagen, und haben oft ziemlich viel mitzureden. Manche Unternehmen haben dafür offizielle Strukturen wie jährliche Mitarbeiterzufriedenheitsumfragen, einen Betriebsrat oder eine Personalvertretung. In kleinen Unternehmen kannst du deinem Chef oder deiner Chefin auch einfach an der Kaffeemaschine sagen, was du von der Sache hältst. Schön informell eben!

Niederländische Direktheit
Die Direktheit der Niederländer ist unter Menschen aus dem Ausland berüchtigt, aber in der Praxis ist das alles gar nicht so wild. Niederländer vermeiden Konflikte meistens eher. Hinter ihrer Direktheit steckt nicht die Absicht, unhöflich zu sein oder Streit zu suchen, sondern einfach möglichst klar zu sein.
Auch wenn es darum geht, Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen, sind Niederländer ziemlich geradeheraus. Am besten lässt sich das mit einem Kuchenbeispiel erklären. Wenn dich eine Kollegin oder ein Kollege zum Geburtstag fragt, ob du noch ein zweites Stück Kuchen willst, und du willst dieses Stück wirklich, dann sag besser direkt „ja“. In manchen Kulturen ist es üblich, ein Angebot erst mal abzulehnen und darauf zu warten, dass die andere Person weiter drängt. In den Niederlanden geht die Kuchenschachtel dann einfach wieder zu – warum solltest du „nein“ sagen, wenn du eigentlich „ja“ meinst?
Weil Offenheit ein wichtiger Wert in der niederländischen Kultur ist, geben Niederländer gern ungefragt Feedback. Wundere dich also nicht, wenn Kolleginnen und Kollegen kritische Fragen stellen oder Bedenken zu einer deiner Ideen äußern. Das heißt nicht, dass sie alles schlecht finden oder dich für unfähig halten. Es ist einfach eine Art, schneller zu besseren Ergebnissen zu kommen. Klar gibt es in den Niederlanden auch einfach ungehobelte Leute, die sich nicht benehmen können, aber so sind wir wirklich nicht alle. Versprochen.
Soziale Regeln & Smalltalk
Viele Arbeitsplätze haben ihre eigenen ungeschriebenen Regeln, aber erstaunlich oft überschneidet sich das alles. Niederländer sind bei der Arbeit im Allgemeinen ziemlich sozial. Kein Wunder – bei einem Vollzeitjob verbringst du im Schnitt ein Fünftel deiner Zeit dort. Smalltalk gehört deshalb fest zur niederländischen Arbeitskultur. Schön einen Becher mittelmäßigen Automatenkaffee trinken und über die Streiche deiner Kinder oder die Abenteuer des Meerschweinchens der Nachbarin plaudern.
Eines der Lieblingsthemen niederländischer Beschäftigter ist Das Wochenende. Am Montag und Dienstag wird ausführlich auf das vergangene Wochenende zurückgeblickt, und ab Mittwoch werden schon die Pläne fürs nächste geteilt. Manchmal wirkt es fast wie ein Sport, sich gegenseitig damit zu überbieten, wie voll und hektisch diese Wochenenden sind.
Beschäftigt, beschäftigt, beschäftigt tun und Überstunden
Niederländer lieben nicht nur randvolle Wochenenden, sie tun auch unter der Woche alles dafür, zu betonen, wie viel sie gerade auf dem Teller haben. „Beschäftigt“ ist deshalb auch eine ziemlich übliche Antwort auf die Frage „Wie geht’s?“. Meistens ist das gar nicht als Beschwerde oder Hilferuf gemeint, sondern eher als Bestätigung des eigenen Werts fürs Unternehmen.
Übrigens heißt dieses ganze Beschäftigt-Tun nicht, dass wir viele Überstunden machen. Und schon gar nicht unbezahlt. In den meisten Branchen wird kaum bis gar nicht länger gearbeitet. In Gastronomie und Einzelhandel wirst du für die Stunden bezahlt, die du arbeitest – also auch für Überstunden. Und wenn du für eine staatliche oder halbstaatliche Einrichtung arbeitest, kannst du Überstunden in der Regel einfach wieder abbummeln.
Pünktlichkeit und Kalender
Viele Niederländer sind süchtig nach ihrem Kalender – privat genauso wie bei der Arbeit. Ein spontanes Mittagessen oder ein Kaffee-Date? Vergiss es. Für jeden Pups bekommst du eine Kalendereinladung. Das ist eine typisch niederländische Art, organisiert zu sein und den Kalender schön voll zu halten – siehe auch den Abschnitt „Beschäftigt, beschäftigt, beschäftigt tun“ oben. Ebenfalls gut zu wissen: Meetings fangen meistens pünktlich an. Fünf Minuten später dazustoßen ist noch okay, vor allem wenn du gerade aus einem anderen Meeting kommst – dann reden sowieso noch alle übers letzte oder kommende Wochenende. Aber gib der organisierenden Person kurz Bescheid, wenn es noch später wird.

Das Mittagessen, auch bekannt als Käsebrot-Zeit
In vielen Ländern ist das Mittagessen eine große Sache. Je weiter du in Europa nach Süden kommst, desto länger wird oft außer Haus zu Mittag gegessen. In den Niederlanden dauert die Mittagspause meistens nur eine halbe Stunde. Wobei du in vielen Unternehmen ruhig auch etwas länger Pause machen kannst, wenn du dafür etwas länger arbeitest.
Von großen Kantinen bis zu kleinen Küchenzeilen. Große Unternehmen haben oft eine Kantine, in der du dir für einen fairen Preis etwas vom Mittagsbuffet holen kannst. Bei kleineren Unternehmen ist es unterschiedlich. Manchmal kauft das Unternehmen ein und das Mittagessen ist gratis, manchmal bringen die Leute ihr Essen selbst mit. Oft gibt es zumindest eine kleine Küche, in der du einen Teller und Besteck nehmen kannst. Ein Sandwichmaker gehört fast überall zur Grundausstattung, aber geh nicht automatisch davon aus, dass es auch eine Mikrowelle gibt: Niederländer essen mittags meistens kalt. Arbeitest du in der Gastronomie oder in einem Supermarkt? Dann darfst du oft kostenlos etwas aus dem Angebot deines Arbeitgebers essen.
Fantasielose Mittagessen
Niederländer sind weltweit ganz vorne dabei, wenn es um fantasielose Lunchpakete geht. Irgendjemand sitzt am Mittagstisch eigentlich immer mit einer Brotdose voller doppelt belegter Brote da, meistens mit Käse oder Aufschnitt. Oder mit Erdnussbutter, wenn du Pech hast.
Ironischerweise ist die Chance ziemlich groß, dass du einen Spruch gedrückt bekommst, wenn du ein aromatisches kulinarisches Meisterwerk mitbringst – aber nimm dir das bloß nicht zu Herzen, sie sind einfach neidisch. Egal, was bei dir auf dem Tisch steht: Niederländer finden es sehr wichtig, sich gegenseitig einen guten Appetit zu wünschen. Natürlich genau in dem Moment, in dem du den Mund voll hast.
Apropos: Mit vollem Mund zu reden gilt in den Niederlanden als unhöflich, genauso wie hörbares Kauen und Schmatzen. Auf dem Papier jedenfalls, denn in der Praxis wird mit vollem Mund ziemlich viel weitergequatscht. Man will aus dieser halben Stunde Pause eben das Maximum rausholen. Wenn du besonders höflich rüberkommen willst, sorg wenigstens dafür, dass du deinen Bissen schon halb runtergekaut hast, bevor du etwas sagst.
Der Mittagsspaziergang
An vielen Arbeitsplätzen ist es üblich, nach dem Essen noch kurz spazieren zu gehen. Egal, ob du auf einem trostlosen Industriegebiet arbeitest oder mitten in der Stadt – zur Mittagszeit siehst du eigentlich immer irgendwo kleine Gruppen, die kurz frische Luft schnappen.

Die Freitagnachmittagsdrinks
Hat das Wochenende überhaupt wirklich angefangen, wenn du keine *vrijmibo* (Freitagnachmittagsdrinks) hattest? Viele Niederländer würden sagen: nein. Beim gemeinsamen Drink wird ausgiebig mit den Kolleginnen und Kollegen sozialisiert. Noch schnell alle saftigen Gerüchte durchkauen und natürlich die Wochenendpläne besprechen. Die *vrijmibo* gibt es in allen möglichen Varianten. An manchen Orten steht ein spezieller Bierkühlschrank, der am Freitagnachmittag irgendwo zwischen 16:00 Uhr und 17:00 Uhr aufgerissen wird. Arbeitest du an einem Ort mit netter Gastronomie in der Nähe? Dann ist die Chance groß, dass dein Büro eine feste Stammkneipe für die *vrijmibo* hat. Glück gehabt – denn dann stehen neben alkoholischen Getränken oft auch frittierte Leckereien auf dem Programm. Wenn du genug davon isst, sind *bitterballen* (frittierte Ragoutbällchen) ein völlig okayes Abendessen, um das Wochenende einzuläuten.
Du bist nicht so der Typ für After-Work-Drinks? Kein Problem, es reicht völlig, wenn du einfach mit einem alkoholfreien oder normalen Getränk dabei bist. Solche Runden starten meistens schon während der Arbeitszeit – also eine prima Ausrede, etwas früher den Stift fallen zu lassen.
Nur damit die Erwartungen klar sind: Es gibt auch genug Arbeitsplätze, die am Freitagnachmittag komplett ausgestorben sind. Aber hey, du kannst ja immer selbst mit Kolleginnen und Kollegen, die Lust drauf haben, eine neue *vrijmibo*-Tradition starten!
Geburtstage, Mitbringsel und Geschenke
In vielen Ländern ist es normal, dass Kolleginnen und Kollegen etwas Nettes zu deinem Geburtstag organisieren. In den Niederlanden drehen wir das komplett um: Wir erwarten, dass du selbst etwas Nettes für deine Kolleginnen und Kollegen machst – zu deinem eigenen Geburtstag. Das nennen wir *trakteren* (zum Geburtstag etwas ausgeben). Du denkst jetzt vielleicht: „Oh, schön, ein festlicher Moment, bei dem das Geburtstagskind gefeiert wird.“ Tja, nein. Das Geburtstagskind stellt oft einfach Kuchen oder etwas anderes Leckeres an einen zentralen Ort und schickt den Kolleginnen und Kollegen eine Nachricht, dass sie zuschlagen dürfen.
Wenn du liebe Kolleginnen und Kollegen hast, hängt vielleicht sogar jemand Girlanden für dich auf. Oft sind das Fähnchen, die seit gefühlt 300 Jahren in irgendeiner Kiste im Abstellraum liegen. Mit etwas Pech gibt es nur ein Set mit „Hurra, 50 Jahre!“, das dann einfach für alle aufgehängt wird – völlig egal, wie alt du wirklich wirst. Wenn du noch mehr Pech hast, fangen deine Kolleginnen und Kollegen auch noch an zu singen. Da musst du einfach durch. Meistens gibt es sowieso nur eine Person, die diese Tradition wirklich liebt und am Leben hält – der Rest des Geburtstagschors leidet fast genauso sehr wie du. Und dann sind da noch die drei Geburtstagsküsschen, die du von Hinz und Kunz bekommst. Diese Küsschen werden übrigens auch an den ersten Arbeitstagen des neuen Jahres großzügig verteilt.
In vielen Organisationen wird auch zu besonderen Anlässen etwas organisiert. Ein Jubiläum, eine Schwangerschaft, eine Hochzeit oder wenn jemand geht. Wenn du Glück hast, gibt es in deinem Unternehmen dafür einen Topf, aus dem solche Dinge bezahlt werden. Wenn nicht, sammelt jemand Geld ein. Bildlich gesprochen jedenfalls, denn in der Praxis bekommst du meistens einfach ein Tikkie für einen kleinen Betrag. Ist es ein offenes Tikkie, bei dem du den Betrag selbst wählen kannst? Dann frag kurz bei deinen Kolleginnen und Kollegen nach, was sie geben. Oft sind zwischen zwei und fünf Euro üblich, vor allem in größeren Organisationen, in denen du im Jahr locker 20 solcher Tikkies bekommen kannst.
Apropos Tikkies: Wenn eine Kollegin oder ein Kollege dir einen guten Kaffee oder ein Brötchen mitbezahlt, ist das höchstwahrscheinlich kein *trakteren* – du bekommst hinterher einfach ein Tikkie, selbst wenn es nur um einen kleinen Betrag ging. Und ganz ehrlich: Du schickst so ein Tikkie am besten auch selbst, sonst wird auswärts essen oder Kaffee holen ziemlich schnell ein teurer Spaß.

Feiertage & freie Tage
Mit den nationalen Feiertagen sieht es in den Niederlanden ziemlich traurig aus. Wir haben gerade mal elf. Wenn du also gern ständig und überall frei hast, arbeitest du besser in einem anderen Land. In unserem Guide zu den niederländischen Feiertagen erzählen wir dir alles dazu!
Dafür ist die Zahl der Urlaubstage, auf die du in den Niederlanden gesetzlich Anspruch hast, ziemlich okay. Du bekommst hier pro Jahr das Vierfache deiner durchschnittlichen Wochenarbeitszeit als Urlaubsbudget. Wenn du also 40 Stunden pro Woche arbeitest, bekommst du 4 x 40 = 160 Urlaubsstunden pro Jahr. Daraus kannst du dann wieder 160 : 5 = 32 Urlaubstage oder 4,5 Wochen Urlaub machen. In manchen Unternehmen bekommst du mehr als das gesetzliche Minimum. Ist ja schließlich ein netter Köder, um mehr Talente anzulocken.
Andere Arten von Urlaub
Manchmal brauchst du Urlaub nicht zum Spaß, sondern weil es eben sein muss. Zum Glück gibt es noch mehr Arten von Freistellung, die du nutzen kannst. Praktisch, wenn das Leben dir gerade zwischen Job und Beine grätscht. Zum Beispiel:
Mutterschaftsurlaub
In den Niederlanden hast du Anspruch auf mindestens 16 Wochen Schwangerschafts- und Mutterschaftsurlaub. Das sind bis zu sechs Wochen Urlaub vor der Geburt und mindestens zehn Wochen danach. Du kannst selbst entscheiden, ob du vier, fünf oder sechs Wochen vorher aufhörst zu arbeiten – der Rest wird automatisch an die Zeit nach der Geburt drangehängt. Der Mutterschaftsurlaub beginnt direkt nach der Geburt, auch wenn das Baby etwas früher oder später kommt.
Elternzeit
Du hast Kinder und willst in den ersten Jahren etwas weniger arbeiten? Dann kannst du unbezahlten oder teilweise bezahlten Urlaub nehmen. Seit 2022 werden die ersten neun Wochen sogar teilweise über das UWV erstattet. Kein Geldregen, aber schon ganz nett, wenn du etwas mehr zu Hause sein willst.
Notfallurlaub
Dein Kind muss plötzlich von der Schule abgeholt werden. Oder dein Heizkessel beschließt am Montagmorgen zu explodieren. Für solche akuten Katastrophen ist der Notfallurlaub gedacht. Dauert meistens ein paar Stunden bis einen Tag und wird ganz normal bezahlt.
Pflegeurlaub
Du musst vorübergehend jemanden pflegen, der krank ist, zum Beispiel deinen Partner, dein Kind oder ein Elternteil? Dann kannst du Pflegeurlaub beantragen. Kurz oder lang, bezahlt oder unbezahlt – das hängt ein bisschen von deiner Situation ab und davon, wie entspannt dein Arbeitgeber ist.
Schau immer genau nach, was bei deinem Arbeitgeber geregelt ist. Manche Unternehmen sind überraschend großzügig, andere wiederum überraschend kreativ, wenn es darum geht, ihre Pflichten zu umgehen. Finde also gut raus, worauf du Anspruch hast!

Krankmelden und krank sein auf niederländische Art
Du fühlst dich mies? Kein Problem. Das niederländische Gesetz sorgt dafür, dass du dich in Ruhe auskurieren kannst. Wenn du krank bist, wirst du grundsätzlich weiterbezahlt. Gesetzlich hast du Anspruch auf mindestens 70 Prozent deines Lohns, aber viele Arbeitgeber zahlen dir einfach 100 Prozent – vor allem im ersten Jahr. Manche Unternehmen haben allerdings einen „Wartetag“. Dann wird dein erster Krankheitstag nicht bezahlt.
Krankmelden geht meistens einfach per Mail oder telefonisch. Am besten vor Beginn des Arbeitstags. Du brauchst kein ärztliches Attest. Mehr noch: Niederländische Ärztinnen und Ärzte stellen für die Arbeit grundsätzlich keine Krankschreibung aus. Wenn du länger krank bist, bekommst du oft eine Einladung vom Betriebsarzt oder von der Betriebsärztin. Diese Person behält im Blick, wie es dir geht, und hilft dir dabei, bei Bedarf langsam wieder einzusteigen.
Krank ist krank?
Niederländer sind beim Kranksein manchmal etwas zu nüchtern. Manche gehen ganz entspannt mit laufender Nase oder Halsschmerzen zur Arbeit, meistens bewaffnet mit einer Packung Taschentücher und einer Blisterpackung Paracetamol. Seit der Coronapandemie ist es zum Glück üblicher geworden, bei Schnupfennase einfach von zu Hause aus zu arbeiten. Ist ja auch sozialer, als alle anderen anzustecken. Aber wenn du dich wirklich mies fühlst, dann bleib einfach im Bett!
Zweisprachigkeit am Arbeitsplatz
Wenn du bei einem internationalen Unternehmen arbeitest, stehen die Chancen gut, dass Englisch die Arbeitssprache ist. Vor allem in Tech-Unternehmen, an Universitäten oder in Start-ups. Aber beim Mittagessen, an der Kaffeemaschine oder in WhatsApp-Gruppen wechseln Kolleginnen und Kollegen oft ins Niederländische. Nicht, um dich auszuschließen, sondern einfach, weil es ihre Muttersprache ist.
Lass dich davon nicht entmutigen! Oft helfen deine Kolleginnen und Kollegen gern oder übersetzen etwas, wenn du zeigst, dass du die Sprache lernen willst. Mehr noch: Viele finden es richtig schön, wenn du es einfach versuchst – egal, wie krumm deine Sätze noch sind.
Willst du schneller bei Gesprächen mitmischen? Dann schau, ob du über deine Arbeit oder deine Gemeinde einen Sprachkurs machen kannst. Und übe vor allem den Smalltalk übers Wochenende – damit sammelst du garantiert Pluspunkte.

Bonustipps
Falls du immer noch nicht lang genug gescrollt hast: Hier kommen noch ein paar letzte Tipps!
Finde dein eigenes Netzwerk
Für die Liebe mitgekommen? Vielleicht bist du nach Eindhoven gezogen, weil dein Partner oder deine Partnerin hier einen Job bekommen hat. Dann kann es ganz schön schwierig sein, die eigene Karriere wieder in Gang zu bringen. Zum Glück gibt es Organisationen wie das Expat Spouses Initiative, die sich speziell an mitreisende Partnerinnen und Partner richten. Sie helfen dir beim Netzwerken, bieten Trainings an und begleiten dich auf dem Weg zurück in die Arbeitswelt. Wirklich eine Empfehlung, wenn du in dieser Region noch mal neu anfangen willst!
Homewards
Du willst auch außerhalb der Arbeit deinen Freundeskreis erweitern und die Stadt besser kennenlernen? Dann melde dich bei Homewards an! Homewards ist ein dreimonatiges Programm für Locals und Neulinge, die Eindhoven zusammen (neu) entdecken wollen. Schau hier nach, wann die nächste Ausgabe startet.
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